109/2020 | Potentiale nutzen – alternativen Individualverkehr fördern & Radwege ausbauen

Hintergrund:

Wie den Werten der Fahrradzählstellen der Landeshauptstadt zu entnehmen ist, haben in diesem Jahr von Anfang März bis Ostermontag (45 Tage) insgesamt ca. 17,0% mehr Radfahrer - im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum 2019 - die Stationen passiert (König-Karls-Brücke, Böblinger Straße, Waiblinger Straße, Taubenheimstraße). Im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum 2017 wurden ca. 23,0% mehr Radfahrer gezählt.

Betrachtet man die Zählungen an Werktagen, so sind in den 6 Wochen (45 Tage) vor Ostern Mo-Fr ca. 12,5% mehr Radverkehr zu verzeichnen. Betrachtet man nur die entsprechenden Samstage und Sonntage sowie das Osterwochenende (Karfreitag bis Ostermontag) so ist an Wochenenden ca. 26,0% mehr Radverkehr festzustellen. Im Vergleich zu 2017 wurden Mo-Fr ebenfalls ca. 12,5% und an Wochenenden 48,5% mehr Radfahrer gezählt.

Das Wetter hat in diesem Zusammenhang sicher eine Rolle gespielt (besonders Anfang April war das Wetter 2020 sonnig), allerdings sind die Werte im Bezug auf 2017 - auch eine sonnige Zeit vor Ostern - ähnlich vergleichbar. Die Werte aus 2018 und 2016 sind in diesem Zeitraum aufgrund des schlechten Wetters leider nicht vergleichbar und würden zu unsinnig hohen Prozentzahlen führen.

Wenn man den gesamten Jahresbeginn (87 Tage) betrachtet, relativiert sich die Gesamtzahl ein wenig. Hier ist dieses Jahr insgesamt ein moderater Zuwachs von ca. 8,0% zum Vorjahr 2019 zu erkennen. Im Bezug auf 2017 ist der Zuwachs mit ca. 26,5% allerdings sehr deutlich.

Fazit:

Trotz einer starken Abnahme des gesamten Verkehrsaufkommens in den 6 Wochen vor Ostern, zeigt der Radverkehr 2020 - an Werktagen - im Vergleich zu den Vorjahren 2019 und 2017 einen signifikanten Anstieg von deutlich über 10%. An Wochenenden von deutlich über 20%. Dies ist beeindruckend und vermutlich stark auf die Corona-Krise zurückzuführen. Außerdem gibt es einen Hinweis auf die steigende Auslastung der Radinfrastruktur in Stuttgart - wenn der Bedarf akut steigt.

Antrag:

Wir rechnen damit, dass zeitnah natürlich wieder mehr Menschen den Weg zur Arbeit, den Schulen, Kindergärten etc. antreten werden bzw. müssen und bei vielen der gesundheitliche Aspekt stark im Vordergrund steht. Viele werden jedoch auch weiterhin Teile ihrer Arbeitszeit im HomeOffice verbringen und das Gesamtverkehrsaufkommen im Gegensatz zum Radverkehr vermutlich eher sinken.

Der Radverkehr stellt somit in der aktuellen Situation eine hervorragende Möglichkeit dar, um eine gesundheitlich sinnvolle Alternative im Individualverkehr anzubieten, und den ÖPNV (Abstandsregelungen) zur gleichen Zeit zu entlasten.

Wir beantragen daher, dass die Verwaltung in einem Konzept beschreibt, mit welchen kurzfristigen verkehrlichen Maßnahmen die Zunahme bzw. Steigerung des Radverkehrs unterstützt werden kann. Ebenfalls möchten wir darum bitten, dass die Maßnahmen nicht nur provisorisch gedacht werden, sondern eine dauerhafte Umsetzung - soweit möglich - als Ziel formuliert werden sollte. Vielen Dank vorab.